Zu den Morden von Hanau

Unser Gedenken gilt den Mordopfern von Hanau, unsere Anteilnahme den Angehörigen dieser Mitbürger.

Dabei müssen wir uns fragen, wie es 75 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft dazu kommen kann, dass ein geistig Verwirrter in seinem Verfolgungswahn ausgerechnet Mitbürger mit ausländischen Hintergrund ermordet.

„Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten“, schrieb Bert Brecht  „An die Nachgeborenen“ mit der Warnung in „Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“:

„Dass keiner uns zu früh da triumphiert – der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

International kriecht es aus allen Löchern: Erdogan, Orban, Bolsonaro, die PIS in Polen und nicht zuletzt Trump und Johnson. Und in Deutschland, 75 Jahre nach dem 1000jährigen Reich finden der Nazi Bernd Höcke mit seiner verdrehten Erinnerungskultur und der Vogelschiß-Gauland starken Zulauf, wobei sie Mördern wie den Tätern von Kassel, Halle und Hanau Schützenhilfe leisten.

Das Erschreckende ist, dass selbst die sogenannte bürgerliche Mittelschicht den notwendigen Abstand gegenüber den Rattenfängern nicht wahren. Wie in „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch erkennen sie in ihrer Dummheit nicht, dass sie die zündelnden Verbrecher ins Haus -oder hier in unsere Demokratie – einlassen und ihnen selbst noch die Streichhölzer in die Hand gegeb.

Die Tat von Hanau muss alle aufrechten Demokraten gemeinsam zur Verteidigung unserer Demokratie, unserer liberalen Werte und der Menschenrechte aufrufen. Offenbar haben wir schon zu lang den Feinden unserer Freiheit zu viel Freiheit gelassen! Principiis obsta – wenn man jetzt schon nicht mehr den Anfängen wehren kann, muss man wenigstens bereit sein, den Brand zu löschen, bevor er uns das Haus über dem Kopf zerstört.

Dr. Hans-Heinrich Eidt, Stadtrat der FDP


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