ICE-Systemhalt und Schienenlückenschluss

„Wir brauchen keine wissenschaftlichen Abhandlungen mehr – wir müssen politisch aktiv werden!“ war die Stellungnahme von Oberbürgermeister Tessmer in der Diskussion über den Vortrag von Burkhard Essig (Fahrgastverband Pro Bahn) und Gerd Weibelzahl (Verkehrsclub Deutschland e.V.) zum Thema „ICE-Systemhalt in Coburg“. Hierzu hatte die Coburger FDP in das Münchener Hofbräu eine Vielzahl von Gästen geladen, die insbesondere auch aus den Nachbargemeinden Eisfeld und Hildburghausen gekommen waren.

Gleichzeitig warnte der Oberbürgermeister vor einer Diskussion um die Werra-Bahn in Verbindung mit einer Trasse über das Lautertal und forderte eine Konzentration auf den Bahnknotenpunkt in Coburg.
Weibelzahl nannte in seinem Vortrag eine Vielzahl von Trümpfen, die notwendig seien, um das Spiel um den ICE-Halt über die Tagesrandlagen hinaus zu gewinnen: Eine Vernetzung mit dem Verkehr in der Region, Verbesserung des Bahnhofumfelds, Ausgestaltung des Bahnhofs mit verbesserter Information für den Reisenden, allem voran ein großes Parkhaus, Barrierefreiheit, Cafe, Zeitungskiosk, Kartenverkauf, Schließfächer u.a.; unerlässlich sei aber ein Verkehrsverbund mit einem City- Ticket, das auch für die lokalen Verkehrsmittel genutzt werden kann, eine Verlegung des zentralen Umsteigepunktes vom Theaterplatz zum Bahnhof; und vor allem der Bahnlückenschluss, mit dem ein Fahrgastpotential mit ca. 600.000 Personen erschlossen werden könne.
Essig erläuterte die Bedeutung der Güterzüge, die ebenfalls auf der ICE-Strecke fahren müssten. Er zeigte aber auch die Probleme des eingleisigen Verkehrs im Bereich der Frankenbrücke auf und forderte als Grundvoraussetzung eine zweigleisige Verbindung, ohne die ein Begegnungsverkehr nicht möglich wird. Das Ergebnis einer Studie über das Fahrgastpotential muss jedoch noch abgewartet werden.
Den von der Bahn immer wieder in den Vordergrund gestellte Zeitverzug eines ICE- Halts in Coburg relativierte Essig in seinem Vortrag.
Beide Vortragende waren sich aber in einem Punkt völlig einig; aus technischen Gründen vor allem der Steigungen in der Landschaft und damit auch aus finanziellen Gründen scheide jede andere Trasse als die über das Lautertal aus. Dies veranlasste Bürgermeister Sebastian Straubel aus Lautertal zu der Bemerkung, er befürworte den Bau einer Bahn zum Lückenschluss, könne sich aber nicht mit einer Planung auf der Bestandstrasse abfinden, schon weil diese seit Jahren stillgelegt und inzwischen mit neuen Gebäuden bebaut worden sei. Weibelzahl widersprach ihm mit dem Hinweis, dass die Variante über Bad Rodach wegen der beträchtlichen Höhenunterschiede erhebliche Eingriffe in die Landschaft verursachen werde und schon deswegen nicht finanzierbar sei. Herr Donner aus Eisfeld erwartet ein wirtschaftliches Potential wie bei der nun errichteten Autobahn; diese habe schon eine positive Entwicklung in Gang gesetzt, die durch den ICE in Coburg nur noch verbessert werden könne.
Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig darüber, dass nachhaltig ein häufigerer Halt des ICE während des Tages durchgesetzt werden muss, andererseits aber auch die Stadt und das Land nun umgehend ihre Aufgaben erfüllen müssten, nämlich die räumlichen und verkehrstechnischen Anforderungen, die von der Bahn zu Recht bestellt werden. In seiner Begrüßung und zum Schluss der Veranstaltung forderte Dr. Ulrich Herbert den nachhaltigen und vollen Einsatz auch der Stadt Coburg für die Verwirklichung der baulichen und technischen Voraussetzungen für dieses unabdingbare Infrastruktur- Objekt .

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