Michael Zimmermann zum “Tauziehen ums Tempo” (Neue Presse vom 10.03.2021)

Leider wurde der Antrag der Grünen, einen Verkehrsversuch mit flächendeckend Tempo 30 km/h in der Stadt Coburg durchzuführen, in der Februar-Sitzung des Stadtrates nicht abgestimmt. Dann wäre der Spuk schnell vorbei gewesen.

Dabei spricht aus unser Sicht absolut nichts dagegen Tempo 30 innerstädtisch, in reinen Wohngebieten und in der Nähe von Schulen und Krankenhäusern auszuweisen. Dies ist ja jetzt schon in großem Umfang der Fall, Gesetzeslage und jeder verantwortungsvolle Verkehrsteilnehmer wird hier sowieso nicht schneller fahren.

Das ganze auf Einfallstraßen auszudehnen macht nun überhaupt keinen Sinn. Diese Straßen sind auf Geschwindigkeiten um 50 km/h ausgelegt. Fußgänger sind in der Regel durch Gehwege geschützt. An Verbesserungen für Fahrradfahrer sollte gearbeitet werden. Es braucht endlich vernünftige Fahrradwege in Coburg. Hierdurch lässt sich die Sicherheit dieser Verkehrsteilnehmer wesentlich effizienter verbessern. An Unfallschwerpunkten kann außerdem bereits heute Tempo 30 angeordnet werden.

Es wird argumentiert, dass bei Tempo 30 die kinetische Energie geringer ist und damit die potentiellen Verletzungen bei einem Unfall geringer ausfielen. Nach dieser Argumentation wäre Schrittgeschwindigkeit noch besser.

Geringere Geschwindigkeiten werden allenfalls unwesentlich die Belastung mit Abgasen verringern. Mit zunehmendem Siegeszug der Elektromobilität wird sich dieses Problem in den nächsten Jahren von selbst erledigen. Außerdem ist das eher ein Problem in Ballungsräumen als in kleineren Städten. Und wir haben in Deutschland bereits mit die saubersten Autos.

Den CO² -Ausstoß würde so eine Maßnahme auch nur marginal senken. Hier gibt es modernere und effizientere Lösungsansätze wie Elektromobilität aus erneuerbaren Energien, Synthetische Treibstoffe oder Wasserstoff. Wesentlich effizienter für die CO² Reduktion wäre  auch ein verbesserter Öffentlichen Personennahverkehr um die Bürger zum Umsteigen zu bewegen. Hier haben wir ja mit unserem S-Bahn-Konzept einen zukunftsweisenden Vorschlag für Coburg erarbeitet.

Flächendeckend Tempo 30, also auch auf der Bamberger oder Neustadter Straße und Tempo 50 auf der „Stadtautobahn“ lässt sich nur ideologisch begründen. Den Grünen geht es dabei eher langfristig darum den Individualverkehr komplett abzuschaffen. Dieser wird aber gerade in einer ländlichen Region weiter eine tragende Rolle spielen.

Wir lehnen deshalb grundsätzlich die Teilnahme der Stadt Coburg an so einem Modellversuch ab. Aus guten Gründen ist so etwas in Deutschland noch nie versucht worden.


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