Übergangslösung Landestheater/Konzertsaal/Stadthalle

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

 

in der „Theaterzeitung Oktober 2014“ hat Herr GMD Roland Kluttig Anregungen gegeben, die für die Entwicklung der Kulturszene in Coburg richtungsweisend sein könnten, wenn der Stadtrat diese Anregungen als zukunftsorientiertes Gesamtkonzept aufgreift.

 

Herr GMD Kluttig geht bei seiner Darstellung davon aus, dass der einst für Großveranstaltungen geeignete Hofbräusaal in den 70er Jahren abgerissen und durch das Kongresshaus ersetzt wurde. Wir wissen alle, dass das Kongresshaus damals bewusst mit Zuschüssen der Brauerei zu klein angelegt wurde, um dem Hofbräusaal keine echte Konkurrenz zu machen. Leider entschloss sich die Brauerei dann, diesen Saal für den Kaufhof abreißen zu lassen. Dieser „Geburtsfehler“ konnte auch bei der vor ca. 25 Jahren ausgeführten Renovierung nicht behoben werden, weil die Vorgabe bestand, den Hauptteil des Gebäudes zu erhalten, so dass der große Saal seine mangelnde Funktion bis heute behalten hat. Nur ein Architekturbüro hat damals trotz und gegen diese Vorgabe den Abriss und Neubau empfohlen; ihm wurde jedoch nicht gefolgt.

 

Die Konsequenz ist, dass angesichts des Erneuerungsbedarfs in baulicher und technischer Hinsicht heute in der Stadtverwaltung wieder über eine umfassende Sanierung – oder alternativ sogar einen Abriss – nachgedacht wird.

 

Die umfassende Sanierung des in die Jahre gekommenen Landestheaters steht außer jeder Diskussion. Sie ist nur noch eine Frage der Zeit – und der Finanzierung. Damit kommt aber das Problem auf die Stadt zu, eine alternative Spielstätte für die Zeit der Renovierung zu finden. Die wohl angedachte Angerturnhalle  ist – selbst dringend sanierungs- oder abbruchbedürftig – ebenso wenig wie das Kongreßhaus geeignet.  Die Anmietung eines Großzeltes soll nach vorsichtigen Schätzungen bei der Nutzungsdauer von 2 bis 3 Jahren 2,5 bis 3 Millionen € kosten. Dabei wird die Qualität eines solchen Zeltes wegen Witterungs- und Akustik-Problemen in Zweifel gezogen.

 

GMD Kluttig weist auch zu Recht darauf hin, dass das Landestheater schon heute nicht als Konzertsaal geeignet ist, aber auch nach der Renovierung aus räumlichen, zeitlichen und wohl auch technischen Gründen  keinen Konzertsaal ersetzen kann. Wörtlich schreibt er:

 

„Das Potential des Philharmonischen Orchesters im Konzertbereich, in der Jugendarbeit, in innovativen Projekten zu Begeisterung neuer Publikumsschichten kann … nicht annähernd ausgeschöpft werden.“

 

Aus diesen Gründen sei die oft gewünschte Wiederholung gelungener Sinfoniekonzerte „schlicht unmöglich“.

 

Im Zusammenhang mit den Planungen auf dem Gelände des Güterbahnhofs haben Landestheater und Fachhochschule nun einen Gedanken erörtert, der mehrere Probleme lösen könnte und den auch GMD Kluttig aufgegriffen hat:

 

„Warum könnte nicht die ohnehin notwendige Übergangslösung für die Renovierung des Landestheaters ein Raum sein, der später als Musikhalle für das philharmonische Orchester, die Chöre und Laienorchester der Stadt und der Region, für Jazz und Rockkonzerte genutzt wird?“

 

Dies muss ergänzt werden durch die Überlegung, dass die Stadt seit dem Verlust des Hofbräusaals auch keine angemessene Stadthalle hat, wie diese im NIK vor einigen Jahren vorgestellt wurde und im Bebauungsplan noch dargestellt wird.

 

Ließe sich diese „Übergangslösung“ nicht auf dem Gelände des Güterbahnhofs verwirklichen? Noch sind die Planungen für dieses Gelände nicht abgeschlossen. Allerdings könnte es jedoch zu viel Zeit in Anspruch nehmen, bis auf dem Gelände des Güterbahnhofsselbst auch nur ein Provisorium errichtet werden könnte. Da möglicherweise das gesamte Gelänge ca. 1,5 m tief ausgebaggert werden muss, um die Altlasten zu entfernen, ist dieser Standort wohl auch für ein Provisorium ungeeignet. Deswegen wäre ein alternativer Standort der Platz der Anger-Sporthalle, deren Renovierung nicht mehr wirtschaftlich vertretbar ist, so dass sie abgerissen werden könnte, wie es auch dem NIK entsprochen hat.

 

Eine Hürde mögen die Kosten sein. Aber auch hier hat Herr Kluttig eine Lösung angedeutet: als Beispiel nannte er eine Konzerthalle im kleinen Dorf Blaibach im Bayerischen Wald, von Architekt Peter Haimerl in einer unkonventionellen Art zu günstigen Kosten erbaut, bezeichnet als „architektonisches Highlight, ökologisch und akustisch innovativ“. Eine ähnlich interessante Halle benennt Herr Intendant Busse in Augsburg. Beide Hallen könnten nach diesen Informationen nach einer Benutzung ohne Schwierigkeiten wieder abgebaut und an andere Städte verkauft werden, die in großer Zahl wie Coburg gezwungen sind, ihre Theatergebäude zur Renovierung still zu legen. Diese Hallen sind aber offenbar so ausgereift, dass sie auch in Zukunft als Konzert-, Musik- und Stadthalle stehen bleiben könnten.  

 

So könnten mehrere Probleme gleichzeitig gelöst werden:

 

Das Landestheater hat während der Renovierung eine nutzbare Übergangslösung; zusammen mit der Renovierung wird die nun von Herrn Architekt Glodschei angedachte und von der „Gemeinschaft Stadtbild Coburg“ befürwortete, bei guter Gestaltung mit 1 Mio € geförderte Theater-Tiefgarage gebaut; die marode Angersporthalle weicht einer auch nach der Übergangszeit nutzbaren Konzert-, Musik- und Stadthalle; die verlorenen Ausgaben für ein teures Zelt, die die Renovierungskosten belasten,  werden erspart und stehen zur Finanzierung der neuen Halle zur Verfügung, deren Namen der GMD als „Alberthalle“ angedacht hat.

 

Dies ist „ein Ausweis für das Kulturland Deutschland“, eine Verbesserung des Angebotes für die Durchführung größerer Veranstaltungen und Kongresse und ein  Alleinstellungsmerkmal der Stadt Coburg, das man – so GMD Kluttig –  „mit breiter Brust und auch den modernen Methoden des Marketings preisen und weiterentwickeln“ kann.

 

Herr Intendant Busse hat angeboten, zur Vorab-Information eine Fahrt nach Augsburg und Blaibach für interessierte Stadträte und Bürger zu organisieren.

 

Herr Oberbürgermeister, da Sie die Theatersanierung zur Chefsache gemacht haben, bitte ich Sie, diese Konzeption eingehend zu prüfen und in Ihre Überlegungen einzubeziehen.

 

Es ist an der Zeit.  Wenn nicht jetzt – wann dann?

 

Mit freundlichen Grüßen

  

Dr. Hans-Heinrich Eidt

Stadtrat FDP


Neueste Nachrichten